NABBA Brücken bauen
Das Nachhaltigkeitsspiel
Fünf Menschen sitzen um einen Tisch und sind so aufgeregt, dass sie sich gegenseitig ins Wort fallen. „Auf jeden Fall braucht unser Dorf einen Dorfladen mit regionalen Produkten, damit die kleinbäuerliche Landwirtschaft sich wieder lohnt“ - die Bildungsreferentin schlingt sich Ihren bunten Schal um den Hals und legt eine Karte mit dem Wort „Landwirtschaft“ auf den Tisch. „Ja, am besten mit Fahrradwerkstatt, dann können wir gleich die Radwege aufwerten“ pflichtet die Dame aus dem Ministerium bei und schiebt sich die Brille auf die Nase. „Ach lasst uns die Straßen gleich zu Wasserstraßen umbauen, dann ist es viel kühler und man kann mehr paddeln", bemerkt ein Student im Kapuzenpulli.
Was hier passiert, ist nicht etwa ein Drehbuchentwurf für einen Heimat-Science Fiction Film. Die fünf Personen spielen das Nachhaltigkeitsspiel NABBA (NAchhaltige Brücken Bauen).

Ideen haben und Herausforderungen meistern
Kooperativ, kreativ und intuitiv suchen 3 bis 5 Spielende ihren Weg in eine nachhaltigere Gesellschaft. Dabei gilt es alle Themen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben, wie Wasser, Mobilität, Wirtschaft, Müll, Wohnen etc. miteinander in einer Geschichte zu verbinden und die Herausforderungskarten zu lösen: „Nein...jetzt überträgt eine neue Mückenart eine tödliche Krankheit...und wir haben eine Wasserstadt gebaut“, der Stiftungsratsvorsitzende schlägt sich beide Hände vor die Augen. „Vielleicht mehr Vögel ansiedeln? Ganzkörpermückennetze? Mit Hausmitteln einreiben?“ schallt es von allen Seiten.
Wer es schafft alle Themen aufzunehmen, die Herausforderungen zu lösen und am Ende die Brücke zwischen Dorf und Stadt oder zwei Ländern zu bauen, hat gute Chancen im Paradies zu landen.
So jedenfalls heißt das bestmögliche Ergebnis von NABBA. Klingt auf jeden Fall besser als „totaler Zusammenbruch“ wie das schlechteste Ergebnis heißt. „Es kommt allerdings sehr selten vor, das Gruppen das Schlechteste erreichen“ schmunzelt Isabelle Laue, die das Spiel gemeinsam mit Thomas Jäkel für das Nachhaltigkeitszentrum Thüringen entwickelt hat. Sie erklärt weiter, dass es ursprünglich für Kommunen entwickelt wurde, weil sie bei Ihren Vor-Ort-Gesprächen gemerkt haben, dass Nachhaltigkeit ein “Kaugummibegriff“ sei, „er klebt an jedem Thema und lässt sich beliebig dehnen“. Das hier mehr Durchblick geschaffen wird und die verschiedenen Ressorts sich miteinander zu dem Thema unterhalten, dafür haben sie das Spiel entwickelt. Nicht gedacht hätten sie, dass es so durch die Decke geht und von so vielen verschiedenen Menschen in allen möglichen Zusammenhängen gespielt wird.
Hohe Nachfrage
Das Spiel “made in Thüringen“ - gestaltet von Ecodesign Weimar und finanziert vom Thüringer Umweltministerium, wird bereits in alle Bundesländer und sogar in die Schweiz verschickt.
„Die erste Auflage ist bald aufgebraucht und jetzt schauen wir uns nach einem Verlag um.“ meint Thomas Jäkel und dreht die quadratische Spieleschachtel in den Händen. Durch die 3 verschiedenen Szenarien und die immer neuen Ideen und Möglichkeiten ist es jedes Mal anders, je nachdem wer mit am Tisch sitzt. „Wir wollten zeigen, dass es Spaß macht, gemeinsam verrückte, aber auch umsetzbare Ideen für eine nachhaltige Entwicklung zu spinnen.“ so Jäkel weiter. „Wir freuen uns, wenn die Menschen lachend und mit einem hoffnungsvollen Gefühl aus unseren Spieleworkshops gehen.“

Enthalten sind die Anleitung, Protokollblatt und eine Übersicht über die SDGs.
Neue Varianten in Planung
Das Spiel eignet sich für Menschen ab 17 Jahre, dauert 2 bis 3 h und benötigt 3 bis 5 Spielende. Es kann auch in 2 Gruppen gespielt werden, dann können bis zu 10 Personen dabei sein. Es kann in Zukunftswerkstätten, zu Teamevents, als Einstieg ins Thema Nachhaltigkeit, in Migrationszusammenhängen oder einfach mit Freunden gespielt werden. Wegen der hohen Nachfrage wird bereits an einer Junior- und einer internationalen Variante gearbeitet. Thomas Jäkel und Isabelle Laue haben allerdings schon wieder ein neues Spiel in Arbeit. „Es wird darum gehen, eine Stadt vor Klimawandelfolgen wie Hitze, Starkregen und Sturm zu schützen. Und es wird ein Strategiespiel sein.“ verrät Laue. Dafür arbeiten die beiden mit dem Klimaanpassungsmanager der Stadt Jena zusammen.

Beim Dreh für einen kurzen NABBA-Erklärfilm.